
"Islamische Republik Großbritannien" – Netanjahu spottet über Migrationsstatus im Königreich
In einem Podcast des israelischen Armeesenders kritisierte Regierungschef Netanjahu am Freitag die aktuelle Medienberichterstattung in Großbritannien über Israel und verglich sie dabei mit der Berichterstattung während des Sechstagekriegs von 1967. Anlass war ein Gespräch über Israel, Iran, Großbritannien und die politische Entwicklung in Europa. Netanjahu erklärte dabei spöttisch, man könne das heutige Königreich als "Islamische Republik Großbritannien" bezeichnen.
Netanjahu griff im Verlauf des Gesprächs die Entwicklungen in Europa am Beispiel Großbritanniens auf und kritisierte die ihm zufolge absehbaren und größtenteils bereits existierenden Realitäten. Dabei beklagte er, dass im Königreich kaum noch eine israelfreundliche gesellschaftspolitische Haltung existiere, und sprach daher provokant von einer "Islamischen Republik Großbritannien".

Den neuesten Zahlen auf Basis der letzten Volkszählung zufolge machen Muslime etwa 6 Prozent der britischen Bevölkerung aus. Netanjahu zitierte anschließend einen Witz des US-Vizepräsidenten JD Vance aus dem Jahr 2024 und griff damit das Thema des wachsenden muslimischen Einflusses in Großbritannien auf. Demnach könnte das Land die erste "islamische Republik mit Atomwaffen" werden. Die Äußerung spielte darauf an, dass Pakistan als Islamische Republik seit 1998 über Atomwaffen verfügt.
"Wir sorgen dafür, dass es hier im Iran keine weitere [islamische Republik mit Atomwaffen] gibt", fügte Netanjahu spöttisch hinzu. Pakistan wurde 1998 die erste islamische Atommacht. Großbritannien und die USA sind ebenfalls Atommächte. Auch Israel verfügt nach allgemeiner Einschätzung über Atomwaffen, verfolgt jedoch offiziell eine Politik der nuklearen Zweideutigkeit und bestätigt oder dementiert deren Besitz nicht.
Ein britischer Regierungssprecher aus dem Innenministerium bezeichnete Netanjahus Äußerungen als "völlig inakzeptabel" und wies darauf hin, dass "diese Angelegenheit" gegenüber der israelischen Regierung zur Sprache gebracht worden sei.
Die Beziehungen zwischen London und Israel haben sich in den vergangenen Jahren zusehends verschlechtert, insbesondere seit das Vereinigte Königreich im September 2025 den Staat Palästina offiziell anerkannt hat. Der provozierte US-israelische Krieg gegen Iran verschärfte die Spannungen zwischen beiden Ländern zusätzlich.
Der neue Premier Andy Burnham hatte zuvor kritisiert, sein Vorgänger Keir Starmer habe nicht genügend Druck auf Israel ausgeübt, damit es seine Offensive im Gazastreifen beendet. In einem Interview mit dem Guardian kündigte Burnham kurz vor seinem Amtsantritt an, Großbritannien werde daher unter seiner Führung ein Handelsverbot für Waren aus israelischen Siedlungen im Westjordanland in Betracht ziehen.
Trotz aller Differenzen hat Großbritannien seine Beziehungen zu Israel im Bereich der Rüstungsexporte aufrechterhalten. Zwar setzte London im Jahr 2024 einige Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter aus, da Bedenken bestanden, dass die Ausrüstung zur Begehung schwerwiegender Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verwendet werden könnte. Komponenten, die im Rahmen des multinationalen F-35-Programms geliefert wurden, waren von dieser Regelung jedoch ausgenommen.
Die jüngsten Interviewäußerungen folgen auf Berichte über eine zunehmende Unzufriedenheit mit Netanjahus Vorgehen in den USA. Ein am Freitag veröffentlichter Beitrag des US-Portals Axios berichtet, dass Präsident Donald Trump es bislang abgelehnt habe, Netanjahu im Vorfeld der israelischen Wahlen im Oktober seine Unterstützung zuzusichern, obwohl er von US-Medien wiederholt danach gefragt worden sei.
Anfang dieses Monats lehnte der israelische Ministerpräsident wiederum einen von Trump unterstützten 15-Punkte-Plan für den Gazastreifen ab und betonte, dass sich die israelischen Streitkräfte nicht zurückziehen würden, solange die Hamas nicht vollständig entwaffnet sei.
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